«Ich habe gemerkt, dass es mir ohne Social Media besser geht»

Drei Wochen ohne Smartphone – 69 Jugendliche wagen das Experiment

von Susanne Lienhard, Gymnasiallehrerin

Im Konrad Lorenz Gymnasium in Gänsendorf in Niederösterreich wagten dieses Frühjahr 69 Schülerinnen und Schüler das von ihrem Biologielehrer angeregte Experiment, während drei Wochen ganz auf ihr Smartphone zu verzichten. Oliver Scheibenbogen, Psychologe am Anton Proksch-Institut in Wien, einer der grössten Suchtkliniken Europas, wertete das Experiment wissenschaftlich aus und der Österreichische Rundfunk (ORF 1) begleitete die Jugendlichen während der drei Wochen auf ihrer nicht immer ganz einfachen Entdeckungsreise ins analoge Leben.1

Als der Biologielehrer Fabian Scheck seinen Schülerinnen und Schülern vorschlug, für drei Wochen auf ihr Smartphone zu verzichten, meinten sie: «Das geht nicht, Sie machen wohl einen Witz!» Es war für sie schlicht unvorstellbar, ohne Handy zu leben. Sie alle sind mit dem Smartphone grossgeworden: «Wie weiss ich ohne Handy, wann mein Zug fährt, die Fahrkarte löse ich mit dem Handy, am Morgen weckt es mich, und tagsüber brauche ich es als Uhr, als Geldbörse, zur Unterhaltung, und zur Kommunikation mit Familie und Freunden, ohne Handy bin ich ja völlig abgeschnitten von der Welt!»

Die grösste Angst vieler Jugendlicher war, auf der Social-Media-Plattform «Snapchat» die gesammelten «Flammen» zu verlieren. «Snapchat» ist ein Instant-Messaging-Dienst, der den privaten Austausch von löschbaren Fotos, Videos und Textnachrichten sowie das Teilen des eigenen Standorts mit Freunden ermöglicht. Wenn man innert 24 Stunden mindestens einen Snap (Foto, Video, Textnachricht) mit anderen tauscht, bekommt man eine Flamme, tut man das nicht, verlieren beide ihre Flammen. Die User werden praktisch gezwungen, jeden Tag aktiv zu sein, daher ist das Suchtpotenzial besonders hoch. Wenn die Zahl der Flammen wächst, werden Belohnungshormone wie Dopamin ausgeschüttet, und man will immer mehr. 

Wie funktioniert das Experiment?

Fabian Scheck bewahrt Ruhe und erörtert Idee und Aufbau des Versuchs genauer. Sie seien nicht von der Welt abgeschnitten, da sie lediglich auf ihre Smartphones, nicht aber auf ihr Tablet oder den Laptop verzichten müssten und, wenn sie das wollten, könnten sie sich für die Kontaktaufnahme mit andern ein Tastenhandy ausleihen. Sophie, 16-jährig, meint: «Ich bin schon traurig, dass ich die Flammen verliere, aber ich hoffe, dass ich das Leben ohne Snapchat herausfinde.» Valentina fragt sich: «Früher haben’s die Leute ja auch ohne Handy geschafft, warum ist das für mich nun ein so grosses Ding?»

69 Schülerinnen und Schüler lassen sich schliess­lich auf das Experiment ein. Sie sind einverstanden, ihre Erfahrungen in einem «Offline-Tagebuch» oder mittels einer ausgeliehenen Kamera für die wissenschaftliche Auswertung und die Dok1-Sendung zu dokumentieren. Es ist eine echte Challenge. 

«Ob ich das schaffen werde?»

Am 23. April um 11.20 Uhr ist es so weit! Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammeln sich auf der grossen Treppe im Schulhaus. Vielen ist mulmig zumute, sie werfen nochmals einen letzten Blick auf ihr Handy. Die 17-jährige Nova ist täglich zwischen 14 und 16 Stunden am Smartphone. Sie sagt: «Meine Brust zieht sich zusammen, wenn ich daran denke, ich werde richtig nervös und habe Angst, ohne Handy nicht einschlafen zu können.»

Anton befürchtet: «Die grösste Herausforderung wird wahrscheinlich die Langeweile sein.» Und Julia zweifelt: «Ich bin mir nicht sicher, ob ich das schaffen kann.» Doch der Mut überwiegt, und alle schalten gemeinsam ihr Smartphone aus. Um ihnen die erste Zeit ohne Handy zu erleichtern, schlägt der Lehrer vor, die erste Nacht gemeinsam im Schulhaus zu verbringen. 

Doch schon treten die ersten Probleme auf: «Wie organisieren wir die Schulhausübernachtung ohne WhatsApp? Wann fährt mein Bus? Wie löse ich eine Fahrkarte? Herr Scheck hat vorgesorgt und für alle Busfahrpläne ausgedruckt. Die Fahrkarten werden zum ersten Mal am Automaten gelöst, und bevor alle nochmals nach Hause gehen, um sich auszurüsten, spricht man sich ab, wer was mitbringt. 

«Ich kann nicht ohne, ich habe eine Abhängigkeit»

Bereits am ersten Morgen entscheiden sich zwei Jugendliche, aus dem Projekt auszusteigen. Sie gestehen offen: «Ich habe einfach eine Abhängigkeit, ich kann nicht ohne, ich habs probiert, aber eigentlich habe ich keine Lust darauf.» Die andern versuchen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. In den Pausen machen sie Spiele, reden miteinander oder versuchen, am Tastenhandy eine SMS zu schreiben. Anton  gesteht: «Es fehlt schon, wenn man ein Busticket lösen oder Papa anrufen will.

Es ist aber auch angenehm, dass jeder weiss, dass ich im Moment kein Handy habe, und ich nicht antworten muss, es ist schon irgendwie eine Erleichterung.» Sein Freund Deniz schliesst sich ihm an: «Es ist schon auch so ein Gefühl von Freiheit, weil man sich was anderes findet, wenn TikTok nicht da ist. Ich finde, man ist viel produktiver.» 

Für Nova ist der Verzicht eine enorme Herausforderung. Sie kann nicht einschlafen ohne Handy, beim Autofahren fehlt ihr das Navi und die Musik. Für Letzteres hat sie allerdings eine Lösung gefunden: ihren alten MP3-Player von 2013. Ihr Umfeld sage, sie sei schlechter Laune, nervös und ungeduldig. 

Am dritten Tag klagt auch Anton über heftige Kopfschmerzen, Schlafstörungen und schlechte Laune, es sei eine Katastrophe. In einem Offline-Tagebuch findet sich der Eintrag: «In Wahrheit muss ich gestehen, dass ich mein Handy vermisse. Eigentlich geht mir am meisten Instagram ab. Das ist mir auch unangenehm, um ehrlich zu sein.

Aber wie die meisten Menschen bin ich süchtig. Und so lächerlich es klingt, bin ich auf kaltem Entzug. Aber so sehr ich mein Handy möchte, ich möchte meinen eigenen Frieden nicht kaputt machen.» 

Viele Jugendliche beschreiben ähnliche Entzugssymptome und gestehen offen ihre Abhängigkeit. Die einen wollen trotzdem weitermachen, andere geben auf. 

Durchhalten lohnt sich: Ankunft im realen Leben

Das erste Wochenende verbringen Lena und Sophie im Reitstall, Deniz macht seinen Samstagsjob, um Geld für sein Hobby zu verdienen, und hilft danach seiner Cousine beim Umzug, und Lena hat sich als Handyersatz vor dem Schlafengehen ein Buch gekauft und will mit Sophie zusammen ein Lied komponieren über das Handy-Experiment. 

Am 6. Tag ist in Tagebucheinträgen zu lesen: «Heute habe ich so lange und so gut geschlafen, wie schon seit Wochen nicht mehr. Es geht mir körperlich und psychisch besser, ich habe viel weniger Stress.» Oder: «Ich habe meine Liebe für Sudoko und Kreuzworträtsel entdeckt. Ich sollte öfters draussen sitzen, es fühlt sich gut an an der frischen Luft.» Anton gesteht allerdings: «Heute hatte ich meinen schwierigsten Tag, sehr langweilig, ich wusste nicht, was mit meiner Zeit anfangen.»

Einige Tage später scheint er den Tiefpunkt überwunden zu haben: «Ich bin mit meiner Familie in die Berge gefahren auf eine Hütte. Es ist richtig schön und angenehm ohne Handystress, mal nicht die ganze Zeit diesen Druck zu haben. Ich habe bemerkt, dass ich im Bus oder Zug mehr auf andere Leute achte, man fängt mit anderen plötzlich ein Gespräch an und lernt neue Leute kennen». 

Ein Tagebucheintrag zeugt von einer ähnlichen Erfahrung: «Heartbreaking Moment im Zug: Ich sitze neben einer Familie mit einem kleinen, vielleicht drei Jahre alten Mädchen und alle haben die ganze Fahrt ins Handy geschaut. Nur das kleine Kind nicht, es hat mich traurig angeschaut, es hat mir so leid getan.»

Oder: «Ich habe heute mit meinen Brüdern Fussball und Tischtennis gespielt. Ich weiss nicht, wann ich das das letzte Mal gemacht habe. Dieser Gedanke macht mich wütend und traurig. Weil es traurig ist, dass es ein Experiment wie dieses braucht, damit ich mit meinen eigenen Brüdern Zeit verbringe. Jetzt frage ich mich, wieviel von mir, als Schwester, Tochter, Enkelin, etc. an mein Handy verloren gegangen ist.»

Dritte Woche: Ex-Influencerin kommt zu Besuch

Mittlerweile haben 16 Jugendliche das Experiment abgebrochen, 53 leben noch ohne Smartphone. Letztere empfangen in der dritten Woche Anna-Sophie Standl, eine einst erfolgreiche Influencerin, das Handy immer in der Hand, rund um die Uhr online, die 2018 mit 30 Jahren einen Schlaganfall erlitt, der sie zwang, umzudenken. Sie realisierte, dass sie handysüchtig war, und schaffte es mit psychologischer Hilfe, ihre Sucht zu überwinden. Heute besucht sie Schulen und gibt Kindern und Jugendlichen, Lehrerinnen und Lehrern sowie Eltern ihre Erfahrung weiter. 

Sie erzählt unter anderem, wie sie jeweils ihre Eltern besuchte und, anstatt mit ihnen die Zeit zu verbringen, sich in ihr ehemaliges Kinderzimmer verkroch und sich die Zeit mit «Doomscrolling», dem Konsum von hauptsächlich negativen Nachrichten im Internet, vertrieb.

Während der Corona-Krise haben viele dieses Verhalten entwickelt, aus Angst, auf der Suche nach Informationen und immer auch in der Hoffnung auf positive Meldungen, die leider im Netz nur selten zu finden sind. Gerade Jugendliche verfallen oft dem «Doomscrolling», das Ängste schürt, anstatt sie zu mildern, und depressive Zustände fördert. 

Des Weiteren erklärt Anna-Sophie Standl, dass die Social Media App-Betreiber mit Signalfarben arbeiten, je knalliger das Icon, desto eher klicken wir drauf. Sie gibt den aufmerksam zuhörenden Jugendlichen einige Tipps, wie sie das Handy sinnvoll nutzen und sich vor Sucht schützen können: 

Tipp 1:  farbige Icons auf schwarz-weiss umstellen,

Tipp 2: eine Armbanduhr anschaffen, um nicht ständig aufs Handy zu schauen,

Tipp 3: Benachrichtigungen ausschalten,

Tipp 4: Smartphone nicht in die Hosentasche stecken, wo es immer griffbereit ist,

Tipp 5: Wenn Konzentration gefordert ist, das Smartphone in ein anderes Zimmer legen, da die reine Anwesenheit des Handys ablenkt, selbst wenn es stummgeschaltet ist. 

Sophie versteht nach diesem Morgen besser, wie es Social Media schafft, dass man so viel Zeit in diesen Netzwerken verbringt. Sie stellt fest: «Ich habe wirklich so viel mehr Zeit ohne Handy.»

Deniz stellt am Ende der drei Wochen fest: «Ich habe gemerkt, dass es mir ohne Social Media besser geht, dass es mir mental einfach besser geht, ohne den ständigen Vergleich auf Social Media. Das Handy merkt in welcher Stimmung man ist und passt sich an. Wenn man zwei, drei traurige Lieder anhört, werden mir weitere melancholische Inhalte angeboten.

Man fühlt sich dann im Moment ‹verstanden›, versinkt aber noch mehr in der Depression, statt rauszukommen». Anton und Deniz haben sich vorgenommen, nach diesen drei Wochen Tiktok zu löschen, weil es zu viel Zeit frisst.

Am 15. Mai ist es geschafft!

48 von anfangs 69 Jugendlichen haben durchgehalten. Tagebucheinträge zeugen von ihrem Stolz und von ihren Erkenntnissen: «Wir bekommen unser Handy zurück. Ich habe es ganz geschafft, ich kann echt stolz auf mich sein.»

Einige bedauern, dass die handyfreie Zeit schon vorbei ist: «Ich bin ehrlich gesagt, etwas traurig, dass das Projekt bereits vorbei ist, da meine Freunde und ich eine wirklich schöne Zeit hatten und wir wirklich mal die Chance hatten, uns offline einfach nur auf das engste Umfeld konzentrieren zu müssen», heisst es in einem Tagebuch oder «Ich geniesse die letzten Stunden handyfreie Zeit.

Ich schreibe das voll bewusst, weil ich irgendwie tatsächlich mein Handy morgen gar nicht aufdrehen will. Denn ich habe heute die wichtigste Erkenntnis des ganzen Experiments gehabt: Ich bin ohne Handy glücklicher!» 

Als Sophie ihr Handy wieder öffnet, wird sie buchstäblich überschwemmt mit Nachrichten: 131 auf Whatsapp, 67 auf Snapchat, 15 auf Tiktok, 5 auf Instagram, 2 auf Teams und 1 SMS. Auch den Lehrer Michael Scheck erwarten 305 Whatsapp-Nachrichten. Was tun?

Ergebnisse des Experiments

Der Psychologe Oliver Scheibenbogen, der das Experiment begleitete, zieht Bilanz: «Wie stark das Wohlbefinden stieg beim Verzicht auf das Handy, hat selbst mich überrascht, stärker als dasjenige einer Kontrollgruppe nach zwei Wochen Ferien! Die Erfahrung, dass neue Bekanntschaften und Begegnungen entstehen, weil sie mehr mit den Leuten sprechen, das ist unheimlich viel Wert.

Es ging darum, dass die Jugendlichen, die mit Smartphones gross geworden sind, erleben, welchen Gewinn sie davon haben, wenn sie auf das Handy verzichten, dass das Leben freudvoller, autonom gestalteter wird. Viele der Teilnehmer haben genau das berichtet.» In einem Interview ergänzt er: «Wir wissen aus Studien, dass Jugendliche, die viele Facebook-Freunde haben, eher Probleme in der sozialen Interaktion haben. Sozialkompetenz lernt sich nur in der realen Begegnung mit andern Menschen.»2

Das Experiment hat auch gezeigt, dass 77 % eine zu intensive und problematische Internetnutzung haben. Ein Drittel der Jugendlichen litt unter Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Schlafproblemen, Nervosität und Gereiztheit. «Bei der Handysucht stellt sich immer zuerst die Frage nach der Funktion. Wenn ich es brauche, um der Langeweile, der Einsamkeit, Ängsten oder Depressionen zu entfliehen und das Gefühl habe, es ohne Handy nicht zu schaffen, sind das eindeutige Zeichen einer Sucht», so Scheibenbogen. 

25 % der Jugendlichen haben nach dieser Erfahrung im analogen Leben ihren Smartphone-Gebrauch nachhaltig verändert, die Bildschirmzeit reduziert, Social Media Konten gelöscht etc. Die depressive Symptomatik reduzierte sich nach der dreiwöchigen Abstinenz um 30 %, stieg danach allerdings wieder etwas an, aber nicht mehr auf den Ausgangswert. 

Oliver Scheibenbogen konstatiert: «Wir wissen eigentlich schon lange, dass zu intensiver Social Media Konsum schädlich ist. Bei frühem Konsum ist zehn Jahre später das Risiko, depressiv oder suizidal zu werden und sich von der Welt zu entfremden, messbar erhöht. Wir müssen uns überlegen, wie wir mit diesen Erkenntnissen umgehen.»3

«Wir als Gesellschaft sind in der Pflicht»

Er empfiehlt, dieses Experiment auch an anderen Schulen zu wiederholen, weil diese Generation gar nicht mehr weiss, wie es ohne Handy ist: «Deshalb sind wir als Gesellschaft eigentlich verpflichtet, ihnen zu zeigen, wie sich das Leben ohne Handy anfühlt. Das ist nicht nur Theorievermittlung, sondern nachhaltig.

Durch das Spüren und Erleben kommt es wirklich dazu, dass sich Einstellungen ändern können. Die Schule ist ein idealer Ort, standardmässig solche Experimente einfliessen zu lassen, da dort die Gruppe Gleichaltriger zusammen ist.» 

Zudem plädiert er für handyfreie Schulen, da Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer biologischen Entwicklung nicht in der Lage seien, attraktiven emotionalen Reizen (z. B. Snapchat-Flammen) aus eigener Kraft zu widerstehen, da das Frontalhirn erst im Alter von 28 Jahren voll ausgereift sei.

Das ist jener Teil des Gehirns, der nötig ist, um einem attraktiven Reiz etwas entgegensetzen zu können, und der hemmend aufs Gefühlszentrum wirkt. Im konkreten Fall etwa hilft das Frontalhirn, eine Instagram-Message erst einmal zu ignorieren und sich nicht vom Lernen ablenken zu lassen. Kinder und Jugendliche können das noch nicht und sind den von Social Media und Spieleindustrie bewusst gesetzten emotionalen Reizen ausgeliefert. Sie brauchen für eine gesunde Entwicklung den gesellschaftlichen Schutz.

Scheibenbogen weisst in einem Interview im Standard auf einen weiteren interessanten Zusammenhang mit frühem digitalem Konsum hin: «Bei allem, was sehr reizintensiv ist, wäre ich vorsichtig. Das sollte Kindern so spät wie möglich zugänglich gemacht werden. Dazu kommen unterschiedliche Phänomene, wie die ultrakurze Zeitspanne der Aufmerksamkeit bei Kurzvideos. An die gewöhnt man sich, was aber auch heisst, dass man eine Aufmerksamkeitsspanne dann oft nicht mehr über längere Zeit halten kann.

Das geht so weit, dass sich ADHS-ähnliche Symptome entwickeln. Viele Kollegen haben mir erzählt, dass Eltern mit Kindern in die Praxis kommen wegen eines ADHS-Verdachts. Diese haben aber oft kein ADHS, sondern sind hyperaktiv, weil sie so viel am Handy sind. Dabei ist die Aktivierung des Nervensystems, [ … ] so hoch, dass man Konzentrationsprobleme bekommt.»4

Die Faktenlage ist klar: Früher Digitalkonsum und Social Media schaden der gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie sind sich der negativen Folgen von Social Media durchaus bewusst und sprechen offen über ihre Abhängigkeit.

Im Rahmen der drei handyfreien Wochen haben sie erlebt, wieviel befriedigender und tiefer echte menschliche Begegnungen sind, welchen Erholungswert Aktivitäten in der Natur haben und wie angenehm es ist, wenn der ständige Vergleich und der Druck immer online sein zu müssen, wegfallen. Viele wünschen, diesen Zustand über die drei Wochen hinaus bewahren zu können.

  1. ORF 1, Dok1: Drei Wochen Handyentzug: Das Experiment, 10.09.2025, on.orf.at/video/14290303/dok-1-drei-wochen-handy-entzug-das-experiment
    ↩︎
  2. www.derstandard.at/story/3000000216525/gefahr-mediensucht-interaktion-muss-erst-in-der-realen-welt-gelernt-werden
    ↩︎
  3. on.orf.at/video/14290682/15946039/der-talk-nach-dem-handy-experiment
    ↩︎
  4. www.derstandard.at/story/3000000216525/gefahr-mediensucht-interaktion-muss-erst-in-der-realen-welt-gelernt-werden
    ↩︎

«Schützt unsere Kinder – Likes sind kein Kinderrecht – Social Media erst ab 16»
Petition an Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider und die Bundesversammlung

sl. Drei Schweizer Unternehmerinnen und Mütter wollen nicht länger zulassen, dass Kinder ständig an ihren Smartphones hängen und zunehmend in Depressionen verfallen. Eines von fünf Kindern erlebt Cybermobbing. Sie haben die Initiative ergriffen und im Rahmen des im April 2025 gegründeten gemeinnützigen Vereins «NextGen4Impact» mit Sitz in der Schweiz folgende Petition lanciert: 
«Unsere Kinder wachsen in einer Welt auf, in der Likes und Filter ihr Selbstbild formen – oft bevor sie wissen, wer sie wirklich sind. Sie wachsen mit dem Handy auf, schlafen mit TikTok ein – dazwischen eine stille Krise, die wir nicht ignorieren dürfen. Wir sehen Kinder, die leiden – und nicht mehr leben wollen. Die sagen: «Ich fühle mich leer, wenn ich nicht scrolle.» 
Wie können wir von Kindern Verantwortung erwarten – wenn selbst wir Erwachsene kaum widerstehen können? Deshalb gibt es Altersgrenzen bei Alkohol, Zigaretten und Glücksspiel. Deshalb brauchen wir jetzt eine klare Altersgrenze für soziale Medien.

Fakten
Jugendliche Schweiz: über 32h/Woche an Bildschirmen (JAMES-Studie, ZHAW 2022) 
Suizid: häufigste Todesursache bei 15–24-J (BFS, 2023) 
1 von 5 Jugendlichen erlebt Cybermobbing (ZHAW, 2022) 
Social Media erhöht Depressionsrisiko um 70 % (Twenge 2023)

Fazit
Social Media ist zur digitalen Zigarette geworden – ohne Alterskontrolle 
Für Kinder unter 14: kein Nutzen – nur Risiken.
Was verlieren Kinder? Nichts.
Ohne Zugang für alle: kein Gruppenzwang, keine Ausgrenzung.
Was gewinnen sie? Kindsein. Selbstwert. Fokus. Schutz.

Wir bitten
Gesetzliche Altersgrenze: 16 J. für Social Media
Verpflichtende Altersverifikation durch Plattformen
Nationale Präventions- und Aufklärungsstrategie
Nicht für Paragraphen. Für Kindheiten. Für eine Generation, die uns vertraut.
Kinder brauchen keine Likes, um sich wertvoll zu fühlen.
Sie brauchen Erwachsene mit dem Mut zur Verantwortung.»

Quelle: https://www.nextgen4impact.com/news

Rund 70 000 Personen unterstützen die Petition bereits (Stand 28.09.2025). Sie kann unter https://act.campax.org/petitions/schutzt-unsere-kinder-likes-sind-kein-kinderrecht-social-media-erst-ab-16 nach wie vor unterzeichnet werden.