Argumente gegen die drohende Abschaffung des Bargelds
von Thomas Kaiser
Am 8. März wird in der Schweiz über die eidgenössische Volksinitiative «Ja zu einer unabhängigen, freien Schweizer Währung mit Münzen oder Banknoten (Bargeld ist Freiheit)», besser bekannt als Bargeldinitiative, abgestimmt. Es ist eine entscheidende Abstimmung, denn es geht um unsere Freiheit. Durch den neuen Verfassungsartikel wird eine mögliche Abschaffung des Bargelds verhindert. Will der Bundesrat das später einmal ändern, muss er eine grosse Hürde überwinden, denn es braucht ein obligatorisches Referendum.
Um den internationalen Trend zur Abschaffung von Bargeld zu verstehen, lohnt es sich, das informative und aufklärende Büchlein von Hakon von Holst mit dem vielsagenden Titel «Krieg gegen das Bargeld» zu lesen.1 Darin steht schwarz auf weiss, was der Schweizer Bevölkerung langfristig blühen könnte, würde die Initiative und der Gegenvorschlag – mit Stichentscheid für die Initiative – abgelehnt werden. Hakon von Holst beschreibt, wie in vielen Ländern daran gearbeitet wird, das Bargeld zum Verschwinden zu bringen. Die Schweizer Bevölkerung hat in knapp zwei Wochen die einmalige Möglichkeit, dieser unsäglichen Entwicklung eine klare Absage zu erteilen.
Vertieft man sich in das Büchlein – aus dem die folgenden Zitate stammen – wird offenbar, dass der Gebrauch von Bargeld schon lange einer zunehmenden Verteufelung unterliegt. Sie erhielt einen besonderen Schub während der Corona-Krise. Plötzlich war das Bargeld nicht nur «schmutzig», sondern wurde auch zur «Virenschleuder» und zum «Herd» für eine Corona-Infektion. Hinter dieser Behauptung stand «Mastercard», die bei jeder Transaktion mit Karte prozentual zum Transaktionsbetrag eine Gebühr abkassiert.
Die Entscheidung der EU, das Limit bei Kartenbezahlung ohne Eingabe des PINs zu erhöhen – die Schweiz zog ohne Not nach – sollte zusammen mit der angeblichen Ansteckungsgefahr den beliebten Gebrauch von Bargeld reduzieren. «In einem Positionspaper an europäische Behörden begrüsste Mastercard den Schritt und forderte weitere Massnahmen, denn ‹die Nutzung von Bargeld› sei ‹äusserst riskant›.» (S. 25)
Keine Virusübertragung durch Geld
Doch es gab Studien, die diese Theorie über den Haufen warfen. «Die Bundesbank dagegen war bereits am 17. März [2020] mit dem Infektiologen René Gottschalk vor die Kamera getreten: Banknoten seien kein Infektionsweg, erklärte der Mediziner. Aufgrund ihrer Beschaffenheit würden sich Geldscheine besonders schlecht eignen, Grippe- oder Coronaviruspartikel (auf die Hand) zu übertragen. Die Verbreitung der Viren über Geld könne in beiden Fällen nicht nachgewiesen werden.»
Auch die Zentralbank liess dazu verlauten: «In der Studie bestätigt sich: Die Weitergabe von Coronaviruspartikeln über Banknoten ist unrealistisch.» (S. 25) Doch trotz dieser klaren Erkenntnis blieb die Politik dabei, Bargeldzahlungen zu verteufeln. In der Folge wurden Zahlautomaten installiert, wodurch das Personal keiner vermeintlichen Ansteckung mehr ausgesetzt war. Am Schluss blieb nur noch die Kartenzahlung. Dass man bis heute das Limit ohne PIN-Eingabe beibehält, zeigt den wahren Grund dieser Massnahme.
Emotionale Bindung zum Geld kappen
Der Plan, Bargeld abzuschaffen, besonders in der EU, lässt sich schon zu Beginn der Zweitausender Jahre erkennen. Der EU-Kommissar Charlie McCreevy führte bereits 2006 aus, «dass digitale Zahlungen besser nachvollziehbar, also überwachungsfähig seien.» (S. 34) Damit die Menschen das Bargeld gegen Plastikgeld tauschten, mussten Anreize geschaffen werden. «Mit der Interbankgeld-Verordnung vom April 2015 wurden digitale Zahlungen EU-weit vergünstigt.» (S. 36)
So lenkte man die Gewohnheiten in eine andere Richtung.
Bargeld hat einen hohen Stellenwert bei einem überwiegenden Teil der Gesellschaft, und es braucht massive Anstrengungen, um die Menschen zu einer Abkehr zu bewegen. Jahre, nachdem der Euro eingeführt worden war, trauerten Menschen immer noch ihren nationalen Währungen nach. In Deutschland rechneten viele in D-Mark, als sie den Euro-Betrag ausgaben.
Vielleicht stand bei der Einführung der Einheits- und der Abschaffung der Landeswährungen bereits dieser Gedanke Pate: Wenn die emotionale Bindung ans Bargeld gekappt ist, fällt es leichter, es sukzessive abzuschaffen. Alle Bemühungen gehen in diese Richtung.
Bargeld kriminalisieren
Da die Menschen immer noch Bargeld benutzen wollen, braucht es weitere Anstrengungen, sie zu einem Umdenken zu bringen. «Das Zauberwort im Kampf gegen Banknoten und Münzen ist inzwischen die Geldwäsche. Das heisst, ein Krimineller möchte illegales Geld legalisieren.» (S. 46) Damit suggeriert man dem braven Bürger, dass man ohne Bargeld Kriminellen via Konto und Kartengebrauch auf die Schliche käme. Weit gefehlt: «Bei alledem fällt unter den Tisch, dass für Verbrecher undenkbar viele Wege existieren, Kapital zu beschaffen, und das auch in einer Welt ohne Scheine und Münzen. Banken erschaffen Geld aus dem Nichts. Wer eine Bank besitzt, kann einer Briefkastenfirma in Asien hohe Kredite gewähren. Das Geld wird investiert und nie zurückgezahlt. Dass Kreditnehmer und -geber unter einer Decke stecken, lässt sich kaum ermitteln, oder die Bank erwirbt ein Unternehmen zum Zehnfachen seines Wertes. Von diesen Methoden wissen wir spätestens seit dem Wirecard-Skandal.» (S. 47)
Obergrenzen für Barzahlung festgelegt
Die schleichende Verdrängung von Bargeld lässt sich in vielen EU-Ländern beobachten. Es gibt starke Bestrebungen, die Bevölkerung vom Bargeld zu entfremden. Dabei ist die Strategie perfide. So schrieb Alexander Kireyev, ein leitender Ökonom beim Internationalen Währungsfonds (IWF): «Es scheint besser zu sein, wenn die Ablösung des Bargelds von der Privatwirtschaft und nicht vom Staat vorangetrieben wird. [ … ] Ersteres wirkt nahezu unbedenklich, erfordert aber dennoch politische Anpassungen.
Letzteres erscheint fragwürdiger, und die Leute könnten berechtigte Einwände dagegen haben.» (S. 58) Es brauche ein behutsames Vorgehen, und man müsse sich von staatlicher Seite zurückhalten: «In jedem Falle sollte der verlockende Versuch vermieden werden, die Ablösung des Bargelds per Dekret zu erzwingen, da viele Menschen zu Bargeld eine emotionale Bindung haben.» (S. 58) Man ist sich von politischer Seite sehr wohl bewusst, dass man den Menschen nicht einfach ihr Bargeld entziehen kann.
Dennoch gehen einzelne Staaten immer mehr dazu über, eine Obergrenze für die Bezahlung mit Bargeld festzulegen. Dadurch will man den Bürger zwingen, mit der Karte zu bezahlen. Dass man auch in der Schweiz beim Bezug eines grösseren Betrags erklären muss, wozu man sein verdientes Geld verwenden will, ist der Anfang.
Bürgerinnen und Bürger sind gefragt
Man findet in diesem Buch noch viele Beispiele und Stellungnahmen zur Bedeutung von Bargeld und wie man von staatlicher Seite daran ist, ganz langsam das Bargeld zu beerdigen. Dennoch sind es die Bürgerinnen und Bürger, die etwas unternehmen können, wenn sie in Zukunft nicht nur mit der Karte bezahlen wollen: «Wenn Sie auch ein Mensch sind, der die Kinder von morgen nicht an Smartphone und Kreditkarte binden möchte, wenn Sie wollen, dass die Kinder lebendig, frei und glücklich sind, und wenn Sie sich eine freie Gesellschaft mit einem freien Zahlungsmittel wünschen: Dann werden Sie aktiv für das Bargeld. Die Freiheit liegt in ihren Händen.» (S. 80)
Das Büchlein zu lesen, gibt einem viele Argumente auch für die Bargeldinitiative an die Hand. Aber auch nach der Abstimmung bleibt es eine empfehlenswerte Lektüre. ■

- Hakon von Holst: Krieg gegen das Bargeld. Neu Isenburg 2025. ISBN 978-3-910568-21-1 ↩︎
