Crans Montana – ein fürchterliches Unglück aber kein Freipass für politische Übergriffe

von Reinhard Koradi

Gegenüber allen Angehörigen der Unfalloper spreche ich mein aufrichtiges Beileid aus. Es ist schrecklich, einen geliebten Menschen auf diese Art und Weise zu verlieren. Trauer ja, aber Wut und Hass? Unfälle entstehen immer aufgrund eines Fehlers oder Fehlverhaltens. Doch Fehler machen ist menschlich, und sollten solche Fehler durch Fahrlässigkeit entstanden sein, dann ist das eine Aufgabe der Justiz, die sich mit der Aufklärung der Schuldfrage und der Verurteilung der Schuldigen befassen muss. 

Die Schweiz hält sich konsequent an die Gewaltentrennung. Die Staatsmacht ist auf drei Staatsgewalten Legislative, Exekutive und Judikative verteilt. Wenn sich nun die Politik in ein Untersuchungs- und Strafverfahren einmischt, dann wird die Gewaltentrennung verletzt. Ausserdem kennen wir die nationale Rechtshoheit. Die Übergriffe der italienischen Regierung müssen als Einmischung in innere Angelegenheiten der Schweiz entschieden zurückgewiesen werden. 

Die politisch inszenierte Empörung im Ausland hilft weder den Opfern noch den Angehörigen und schon gar nicht der Aufklärung der Brandkatastrophe

Die Hintergründe der politisch motivierten Angriffe auf die Schweiz infolge der Brandkatastrophe im Wallis sind schwer nachzuvollziehen. Aber noch viel weniger, dass sich die offizielle Schweiz derart demütigen lässt. Wenn der Bundesrat und das Parlament als einzige Antwort auf den Druck von aussen einen Fonds für die Brandopfer eröffnen, wohl mit Steuergeldern finanziert, dann mangelt es wirklich an Rückgrat und Selbstbewusstsein, die bei der Aufarbeitung der Sachlage angebracht wären. Eine allfällige Wiedergutmachung ist im Rahmen der üblichen Vorgehensweise weitgehend durch private Institutionen zu gewährleisten und bedarf keiner staatlichen Sonderlösungen.

 Könnte es sein, dass wir gerade miterleben, wie die Schweiz sich selbst in die Arme der EU treiben lässt, indem sie Angriffe auf unsere Souveränität, Rechtsordnung und Integrität ohne Widerstand akzeptiert? Was sich Italiens Regierung im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe im Wallis erlaubt, ist eine absolute Unverfrorenheit und muss als Angriff auf unser Selbstverständnis, als Missachtung der nationalen Hoheitsrechte und der in der Schweiz geltenden Gewaltentrennung verurteilt werden. Die Schweiz pflegt zum Schutz der Demokratie bewusst eine strikte Gewaltentrennung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative. Bezogen auf Crans Montana, heisst das, Aufklärung und Rechtsprechung ist alleinige Aufgabe der Justiz. Das gilt auch für die ausländischen Behörden. Befremdend auch, dass die italienische Regierung offensichtlich die EU-Kommission einspannen will, den Fall Crans Montana zu einer europäischen Angelegenheit zu erklären.1 Der Bundesrat lässt diese Übergriffe stillschweigend über sich ergehen. Es scheint beinahe so, als würden diese Eingriffe in unser Rechtswesen den im Bundesrat vertretenen EU-Turbos in die Hände spielen. Sie lassen zu, dass den Schweizer Bürgern vorgegaukelt wird, seht nur ihr seid gar nicht mehr in der Lage, eure Probleme selbst zu lösen.

Die Veröffentlichung von Inhalten eines laufenden Verfahrens ist sittenwidrig

Die Eskalation der Brandkatastrophe in Crans Montana zu einem diplomatischen Disput zwischen ausländischen Staaten und der Schweiz behindert eine unabhängige, saubere und von externen Beeinflussungen freie Untersuchung. Die permanenten Veröffentlichungen von Informationen aus dem laufenden Untersuchungsverfahren führen zu einer Vorverurteilung der Angeschuldigten. Ein objektives, vorurteilsloses Gerichtsverfahren dürfte bei einer solchen Vorgeschichte kaum mehr gewährleistet sein.

  1. Corriere del Ticino vom 13. 02. 2026 ↩︎