Die Menschen wollen Frieden

Eine Mehrheit in den USA lehnt den Angriff auf den Iran ab

von Susanne Lienhard, Gymnasiallehrerin

Am 7. März demonstrierten in über 50 Städten der USA hunderte Bürgerinnen und Bürger gegen den Krieg, den Israel im Verbund mit den USA mit aller Härte gegen den Iran führen und dabei gezielt auch die Zivilbevölkerung unter Beschuss nehmen. Am 28. Februar, kurz nach Beginn der Angriffe, schlugen Flugkörper in einer Mädchengrundschule und in einer benachbarten Klinik im Süden Irans ein. Unter den rund 170 Opfern waren zahlreiche Kinder!

Proteste in den USA

Von einem Ozean zum andern, in New York, Washington, Los Angeles, Chicago, Pittsburgh, San Francisco und vielen weiteren Städten haben sich Bürgerinnen und Bürger versammelt und ihren Widerstand gegen den Kriegskurs ihrer Regierung kundgetan. Auf mitgeführten Transparenten war zu lesen: «Die grösste Bedrohung für die heutige Welt sind Donald Trump und die USA» oder «Trump sagt, ein neuer Krieg, wir sagen, es reicht!» «Geld für die Bedürfnisse des Volkes, nicht für den Krieg gegen den Iran».

Steve, ein 24-jähriger Teilnehmer in Washington, ist wütend: «Es geht nur um Öl und um die Interessen von Milliardären. Ich will nicht, dass junge Menschen wie ich dafür in den Krieg geschickt werden und sterben.» Eine 57-jährige Ärztin befürchtet, dass aus der Vergangenheit – etwa dem Irak-Krieg – nichts gelernt wurde: «Ich sehe täglich Veteranin­nen und Veteranen mit schweren körperlichen Einschränkungen und psychischen Problemen.

Warum kümmert man sich nicht stärker um sie und um die mentale Gesundheit junger Menschen?» Ihre Freundin bekräftigt: «Das Geld sollte meiner Meinung nach dafür ausgegeben werden, dass sich alle eine Krankenversicherung leisten können, dass niemand hungern muss und die Menschen ein besseres Leben haben, nicht dafür, andere zu töten.» Die Ärztin ergänzt: «Es geht nicht nur um Amerikanerinnen und Amerikaner. Mit dem Geld könnte man weltweit Leid lindern, etwa in Afrika oder in Gaza, wo Kinder leiden.»1

Das sind keine vereinzelten Stimmen. Laut Umfragen lehnt eine Mehrheit in den USA den Angriff auf den Iran ab. 

Proteste auch in Europa

Am 10. März titelte die NZZ «Europa unterstützt die USA». Grossbritannien, Frankreich, Spanien und Griechenland entsenden Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer zum Schutz der Ostflanke. Europa dient den USA zudem als Logistikdrehscheibe. Die USA laden auf europäischen Militärbasen Material und tanken Kampfjets auf, die dann Richtung Iran losfliegen, um dort alles in Schutt und Asche zu legen.

Seit Kriegsbeginn tauchen am Himmel über Europa Jets der US-Luftwaffe auf. Nur Spanien hat den USA untersagt, die Stützpunkte in Rota und Morón de la Frontera zu nutzen. Die USA mussten die dort stationierten KC-Tankflugzeuge abziehen und nach Grossbritannien und auf den Stützpunkt Ramstein in Deutschland verlegen. 

Es sind die Regierungen, die USA/Israel unterstützen, nicht aber die Bevölkerung. Auch in Deutschland, Frankreich, Österreich, Spanien, Italien und anderen europäischen Ländern protestieren Bürgerinnen und Bürger gegen den völkerrechtswidrigen US/israelischen Angriffskrieg gegen den Iran. In den Medien werden die Kundgebungen jedoch entweder nicht erwähnt oder als «Pro-Mullah-Demo» abgetan.

Genauso wie diejenigen, die für ein Ende des Ukraine-Konflikts auf diplomatischem Weg plädieren, als Putin-Unterstützer diffamiert werden. Die hiesigen Mainstream-Medien sind zu strammen Erfüllungsgehilfen der Kriegstreiber geworden. Es ist unerträglich, tagein, tagaus der medialen Kriegspropaganda ausgesetzt zu sein, die uns mit unglaublicher Arroganz und Ignoranz verkündet, wer auf dieser Erde die Guten und wer die Bösen sind. Zum Glück gibt es noch einige alternative Medien, die zum besseren Verständnis der aktuellen Weltlage unabhängige und sachlich fundierte Recherchen publizieren und so zur Völkerverständigung beitragen.2 

… und in der neutralen Schweiz?

Zu den wichtigsten Pflichten eines neutralen Staates gehört es, sich der  keinem Krieg zu beteiligen, den Kriegsparteien weder militärische Unterstützung zu gewähren noch ihnen sein Staatsgebiet zur Verfügung zu stellen.3 Gemäss Neutralitätsrecht muss also der Schweizer Luftraums für Überflüge der US-Luftwaffe und ihrer Zudiener sofort gesperrt werden. Beim Irak-Krieg 2003 geschah dies bereits einen Monat, bevor die USA im Irak intervenierte, mit der Begründung, dass Überflüge offensichtlich der Kriegsvorbereitung dienten. 

In der aktuellen Situation laviert Bundesrat Ignazio Cassis einmal mehr und sagte noch am 3. März mit Blick auf das Neutralitätsrecht: «Aktuell kann noch nicht beurteilt werden, ob die Eskalation im Nahen Osten die Anwendungsvoraussetzungen des Neutralitätsrechts erfüllt.» Würde die Schwelle überschritten, «würde der Luftraum für militärische Flugzeuge der USA gesperrt», sagte Bundesrat Cassis am Dienstag.4

Was braucht es denn noch? USA und Israel führen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, sie haben am 28. Februar das iranische Staatsoberhaupt und weitere Personen kaltblütig ermordet, zahlreiche iranische Ziele beschossen und ganz gezielt eine Mädchengrundschule und eine Klinik in der Nähe eines militärischen Stützpunktes bombardiert. Unter den zahlreichen Opfern waren 168 Schulkinder im Alter von 7 bis 12 Jahren! Für den Bundesrat reicht das aber noch nicht. Erst nach weiteren zehn Tagen Bombardements mit zahlreichen Opfern und 3 Millionen Vertriebenen kommt er am 13. März endlich zum Schluss, dass es sich um einen Krieg handelt, die USA Kriegspartei ist und das Neutralitätsrecht angewendet werden muss.

Die Neutralitätsinitiative, die voraussichtlich Ende Jahr dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wird, verpflichtet den Bund, die immerwährende bewaffnete Schweizer Neutralität umfassend in allen Bereichen der Aussen- und Sicherheitspolitik umzusetzen. Sie verdient ein klares Ja des Volks. 

Völkerverständigung statt Waffengewalt

Während die «Mächtigen» dieser Welt die Waffen sprechen lassen, lehrt Achim Wennmann, Professor für Friedensmediation am Geneva Graduate Institute, wo über internationale Beziehungen geforscht wird, Studierende aus über 40 Ländern, dass es bei allen Konflikten primär darum geht, die Situation der Konfliktparteien zu verstehen. Er ist enttäuscht, dass all die diplomatischen Bemühungen, Frieden attraktiver zu machen als Krieg, im Vorfeld des Angriffs auf den Iran nicht gefruchtet haben.

Er denkt, dass die Verhandlungen in Genf vor dem Krieg so gelungen waren, dass die Kriegstreiber ihr Zeitfenster schrumpfen sahen und sofort losschlagen mussten, bevor es zu einer friedlichen Lösung kam. Er ist überzeugt: «Wenn der diplomatische Prozess nochmal drei, vier Wochen weitergegangen wäre, hätte man soviel gutes Vertrauen und auch so viel Lösungspotenzial aufgebaut, dass eine Kriegsführung zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht mehr global zu halten gewesen wäre.»5 

In seinen Seminaren diskutieren Iranerinnen und Iraner Seite an Seite mit Kolleginnen und Kollegen aus den USA. Er lehrt sie, Konflikte rational zu analysieren und die Situation der verschiedenen Parteien zu verstehen. Die Studierenden stellen erstaunt fest, dass es auch unter den Iranerinnen und Iranern verschiedene Sichtweisen bezüglich des aktuellen Kriegs gibt und die reale Situation im Iran mit dem Schwarz-Weiss-Bild, das in unseren Medien vermittelt wird, nichts zu tun hat.

Sie lernen einander respektvoll zuzuhören und die andere Sichtweise als Bereicherung ihres eigenen Standpunkts zu schätzen. Diese Studentinnen und Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen haben die ungeheure Chance, über Grenzen hinweg Freundschaften zu knüpfen und Vorurteile abzubauen.

Exorbitante Rüstungsausgaben

Laut dem Friedensinstitut SIPRI wendeten Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Italien 2024 zusammen 273 Milliarden Dollar für das Militär auf – 1,8-mal mehr als Russland. Deutschland stand 2024 mit Militärausgaben von 88,5 Milliarden Dollar an 4. Stelle weltweit. Die USA sind mit 997 Milliarden Dollar absoluter Spitzenreiter. Allein die erste Woche Krieg gegen den Iran kostete die USA 11,3 Milliarden Dollar.6

Wenn nur ein Bruchteil dieses Geldes in die Friedensbildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen investiert würde, könnte die Welt von morgen anders aussehen: eine Welt, in der Länder mit unterschiedlichen Kulturen, Traditionen, Sprachen und Religionen sich um ein gegenseitiges Verständnis bemühen, sich respektvoll begegnen und gegenseitig bereichern, so wie die verschiedenen Instrumente eines Orchesters zu einem grossen Ganzen beitragen.

Wir Menschen wollen keinen Krieg! Mögen die Kriegstreiber auf dieser Welt den mehrstimmigen Chor endlich hören: «We say no to war!» – «Nous ne voulons pas de guerre!» – «Nie wieder Krieg!» – «No more killing!» – «Guerra No!» – «PACE».

  1. Radio SRF, «Rendez-vous am Mittag» vom 09. 03. 2026, www.srf.ch/audio/rendez-vous/anti-kriegs-demonstrationen-in-den-usa?partId=T7CY4OgTpteFGbUcN9WuVhlA4vo ↩︎
  2. globalbridge.ch/warum-der-iran-den-krieg-bereits-gewonnen-hat/ oder free21-magazin.de/ oder www.hintergrund.de/kurzmeldung/kritik-an-deutscher-beteiligung-am-angriffskrieg-gegen-den-iran/ u. a. ↩︎
  3. www.eda.admin.ch/de/neutralitaet ↩︎
  4. www.srf.ch/news/schweiz/wann-gilt-neutralitaetsrecht-bundesrat-vor-heiklem-entscheid-im-iran-krieg ↩︎
  5. www.srf.ch/audio/4×4-podcast/die-reaktionen-sind-ueberwaeltigend-positiv?id=AUDI20260310_NR_0086, 11. 03. 206 (ab Min. 6.06) ↩︎
  6. www.rnd.de/politik/iran-krieg-hat-usa-in-der-ersten-woche-11-3-milliarden-dollar-gekostet-5WFHTAM2XJF23NQ2IOGFWXJKCM.html ↩︎